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9 «behüten», müssen wir auch auf uns selber Acht geben! Erinnern wir uns daran, dass Hass, Neid und Hochmut das Leben verunreinigen! Hüten bedeutet also, über unsere Gefühle, über unser Herz zu wachen, denn von dort gehen unsere guten und bösen Absichten aus: die, welche aufbauen, und die, welche zerstören! Das Sich-Kümmern, das Hüten verlangt Güte, es verlangt, mit Zärtlichkeit gelebt zu werden. In den Evangelien erscheint Josef als ein starker, mutiger, arbeitsamer Mann, aber in seinem Innern zeigt sich eine große Zärtlichkeit, die nicht etwa die Tugend des Schwachen ist, nein, im Gegenteil: Sie deutet auf eine Seelenstärke hin und auf die Fähigkeit zu Aufmerksamkeit, zu Mitleid, zu wahrer Öffnung für den anderen, zu Liebe (vgl. Predigt von Papst Franziskus am 19.3.2013). Der hl.Josef, ein vorbildlicher Erzieher Wenn wir auf Josef als Vorbild des Erziehers schauen, der Jesus auf seinem Weg des Wachsens an Weisheit, Alter und Gnade − wie es im Evangelium heißt − beschützt und begleitet, dann sehen wir: Er war nicht der Vater Jesu, denn dieser war Gott. Aber Josef war für Jesus ein Vater, er kümmerte sich um Jesus als Vater, um ihn wachsen zu lassen. Und wie ließ er ihn wachsen? An Weisheit, Alter und Gnade. Beginnen wir beim «Alter», der natürlichsten Dimension, dem physischen und psychologischen Wachstum. Gemeinsam mit Maria trug Josef vor allem unter diesem Gesichtspunkt Sorge für Jesus. Er hat ihn also «aufgezogen» und dafür gesorgt, dass es ihm an nichts fehlt, was für eine gesunde Entwicklung notwendig ist. Vergessen wir nicht, dass der fürsorgliche Schutz des Lebens des Jesuskindes auch die Flucht nach Ägypten mit sich gebracht hat, die harte Erfahrung, als Flüchtlinge zu leben – Josef war ein Flüchtling, mit Maria und Jesus –, um der Bedrohung durch Herodes zu entgehen. Dann, als sie in die Heimat zurückgekehrt sind und sich dort niedergelassen haben, folgt die ganze lange Periode des Lebens Jesu in seiner Familie. In jenen Jahren lehrte Josef Jesus auch seine Arbeit, und Jesus lernte das Zimmermannshandwerk mit seinem Vater Josef. So hat Josef Jesus aufgezogen. Kommen wir zur zweiten Dimension der Erziehung, der «Weisheit». Josef war für Jesus Vorbild und Lehrer dieser Weisheit, die sich aus dem Wort Gottes nährt. Wir können uns vorstellen, wie Josef den kleinen Jesus erzogen hat, die Heiligen Schriften zu hören, vor allem, indem er ihn am Sabbat in die Synagoge von Nazareth begleitet hat. Und Josef hat ihn begleitet, damit Jesus in der Synagoge das Wort Gottes hört. Und schließlich die Dimension der «Gnade». Der heilige Lukas sagt von Jesus: Gottes «Gnade» ruhte auf ihm» (Lk 2,40). Hier ist der Teil, der dem heiligen Josef vorbehalten ist, natürlich begrenzter als beim Alter und bei der Weisheit. Es wäre jedoch ein schwerer Fehler zu meinen, dass ein Vater und eine Mutter nichts tun können, um ihre Kinder dazu zu erziehen, in der Gnade Gottes zu wachsen. Die Sendung des heiligen Josef ist gewiss einzigartig und unwiederholbar. Dennoch ist er als Beschützer Jesu, der ihn erzieht und an Alter, Weisheit und Gnade wachsen lässt, das Vorbild des Erziehers und des Vaters (Vgl. Papst Franziskus, Generalaudienz am 19.3.2014).


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