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Hl. Franz von Sales Predigt, gehalten in Lyon, am 19.März 1621, ein Jahr vor seinem Tod Heiliger Josef, «ich weiß nicht, mit welchem Lobpreis ich dich ehren soll, denn du hast auf deinen Armen getragen, den die Himmel nicht zu fassen vermochten». Der erste Lobpreis, den die Kirche heute in der Meßfeier ausspricht und singt, lautet: Der Gerechte blüht wie die Palme. Ihn habe ich zum Gegenstand gewählt, weil er der Erste ist, weil er vom Ahnherrn des hl. Josef stammt, vor allem aber, weil er mir reichen Stoff bietet, von der ganz heiligen Ehe Josefs und Marias zu sprechen und von der ganz heiligen Demut, durch die er seine hervorragenden Vorzüge und Tugenden verbarg. Das werden die zwei Punkte dieser Predigt sein. Damit ich aber Nützliches von deinem Vater sage, wende ich mich an dich, Jesus: «Wir bitten dich, Herr, dass uns durch die Verdienste des Bräutigams deiner Allerseligsten Mutter Hilfe zukomme, damit uns durch seine Fürbitte geschenkt werde, was unser Vermögen nicht erreicht». Und zu dir, heilige Jungfrau, sage ich: Ave Maria. Arabien ist durch den günstigen Einfluss des Himmels so fruchtbar an allen Arten aromatischer Bäume, dass man es das «Glückliche» nennt. Hier gab es, sagten die Alten, jenen überaus bewundernswerten und so seltenen Vogel, dass er einmalig ist, den man «Phönix» nennt. Nun wird er nach Ablauf mehrerer Jahrhunderte so schwach und alt, sagt man, dass er kaum noch fliegen kann und ihm dann sein Leben so hinfällig erscheint, dass er nur mehr durch den Tod zu leben hoffen kann. Daher sammelt er aromatisches Holz, macht einen Holzstoß … Hernach fliegt er wieder, lebt munter und fröhlich; in einer ganz lebendigen Jugend überlebt er dann eine neue Reihe von Jahrhunderten … Das ist der Bericht der Alten, nicht nur der profanen, sondern auch der christlichen Schriftsteller, des hl. Basilius, des hl. Ambrosius und vieler anderer. Es ist gewiss wahr, meine teuersten Zuhörer: Wenn der Sünder in seiner Bosheit alt geworden ist, muss er sich einen Holzstoß errichten und ein Feuer entfachen, das ihn in Asche verwandelt und zu einem Wurm der Buße werden lässt. Dann gelangt er von diesem Zustand zur Gerechtigkeit, und wie ein zweiter Phönix fliegt er, ist munter, und man kann sagen, er bringt das Opfer der Gerechtigkeit dar. Ps 4,6; 115,17: Ich will das Opfer der Gerechtigkeit darbringen. Ps 42,4: Ich will hintreten zum Altar Gottes, zu Gott, der meine Jugend froh macht. Doch warum sage ich das? Deshalb, meine teuersten Zuhörer, weil der frühchristliche Schriftsteller Tertullian unseren Vers und den Vergleich so verstanden hat: Der Gerechte wird blühen wie die Palme. In der Fassung der griech. Übersetzung 4 Der heilige Josef Der Gerechte blüht wie die Palme (Ps 91,13)


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