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Die beiden Josefs P. Gabriel Kunz Das Leben des hl. Josef war mit dem Schicksal des Messiaskindes eng verknüpft. Nach einem Wort des hl. Johannes Chrysostomus war er «Diener des Heils». Er wurde von Gott berufen, durch die Ausübung seiner 24 Vaterschaft unmittelbar der Person und der Sendung Jesu zu dienen – bis zu dem Tag, da Jesus um seiner Berufung willen seinen Weg gehen musste. Es gibt nun eine eigenartige Parallele, die wir nicht übersehen sollten, zu einem zweiten Josef, der sich rührend um Jesus bemühte und so ebenfalls zum Diener des Heiles wurde. Als auf dem Berg Golgotha der Tag des Leidens und Sterbens für Jesus zu Ende war, als er zwischen Himmel und Erde tot am Kreuz hing, kam «gegen Abend ein reicher Mann aus Arimathäa namens Josef; auch er war ein Jünger Jesu» (Mt 27,57). Dieser fasste sich ein Herz und erbat sich vom römischen Statthalter den Leichnam des Gekreuzigten, um ihn zu bestatten. Ähnlich wie Josef von Nazareth den in die Welt eingetretenen Jesus umsorgte, so kümmerte sich nun Josef von Arimathäa um den toten Jesus. Er nahm den zu Tod gequälten Leichnam liebevoll vom Marterpfahl des Kreuzes herab, «hüllte ihn in reines Linnen; dann legte er ihn in ein neues Grab, das er für sich selbst in einen Felsen hatte hauen lassen» (Mt 27,59). Was keiner von denen zu tun wagte, die sich öffentlich zu ihm bekannten, das tat Josef von Arimathäa, der «im Stillen» ein Jünger Jesu war. Jesus, dem Rabbi aus Nazaret, galt offensichtlich seine heimliche Liebe. Im Innersten war er erfasst von der Botschaft des kommenden Gottesreiches. Als Mitglied des Hohen Rates musste er es schmerzlich hinnehmen, dass Jesus verurteilt wurde. Obwohl er seine Ohnmacht empfand, verfiel er nicht in Resignation, sondern unternahm, was ihm noch möglich war. Wenn er den verehrten Meister schon nicht vor dem Todesurteil des Hohen Rates bewahren konnte, so wollte er den zu Tode Gemarterten doch nicht in den Händen seiner Peiniger belassen. Durch den Liebesdienst dieses verborgenen Jüngers erhält der am Schandpfahl des Kreuzes Hingerichtete das Grab eines Gerechten; er wird nicht, wie üblich, irgendwo ehrlos verscharrt. Dieses Grab wird bald darauf zum Ausgangspunkt der weltbewegenden Botschaft: Er ist auferstanden. Insofern hat auch Josef von Arimathäa einen heiligen Dienst in der Heilsgeschichte und wurde zum «Diener des Heils», wie zuvor schon Josef von Nazareth. Mit seiner mutigen Tat hat Josef von Arimathäa dem Herrn die letzte Ehre erwiesen. Mit unendlicher Behutsamkeit legt er ihn der vom Schmerz durchbohrten Mutter in den Schoß. Er trägt den Leib Jesu und hält in seinen Armen das Geheimnis des Glaubens. Er hält jenen Leib Jesu, dessen Tod wir seit den Tagen der Apostel in der Feier der Eucharistie verkünden, sooft wir dieses Brot essen und aus diesem Kelch trinken, wie Paulus es im Brief an die Korinther sagt (vgl. 1Kor 11,26). So wird auch uns der Leib des Herrn gereicht im Geheimnis des Glaubens beim Empfang der hl. Kommunion. Zwei Männer mit dem Namen Josef dienten der Person und Sendung Jesu auf je andere Art. Der eine über viele Jahre hinweg als Schützer und Erzieher des heranwachsenden Gottessohnes, der andere nur eine kurze Zeitspanne, um den am Kreuz getöteten Meister von Pilatus loszubitten und ihn dann ehrenvoll zu bestatten. Beide Männer werden von der Kirche als Heilige verehrt, Josef von Arimathäa am 17. März – also zwei Tage vor dem Hochfest des Bräutigams der Gottesmutter. So sind auch wir beauftragt – auf je unsere Weise – Diener und Dienerinnen des Heils zu sein für die Menschen, die mit uns sind und die unseres Dienstes und unserer Hilfe bedürfen. (Aus einer Predigtvorlage von Joachim Klothbücher) DIENER DES HEILES


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