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19 Kindes. Nur seine reine Gottesliebe wird ihm die Kraft gegeben haben, alle Menschenfurcht zu überwinden und die Ganzhingabe des Gehorsams auch von ihr zu verlangen. Nie allein gelassen ... Josefs Aufgabe war, in Ägypten für Mutter und Kind zu sorgen, ohne Verwandte, ohne Sprachkenntnisse, ohne irgendwelche Hilfsmittel. Wie lange sollten sie aber, wie Flüchtlinge, in der Ferne bleiben? Wiederum «ein Engel des Herrn» sollte ihn darüber verständigen, und zwar wieder «im Traum» (Mt 2,19). Er «sagte: Steh auf, nimm das Kind und seine Mutter, und zieh in das Land Israel; denn die Leute, die dem Kind nach dem Leben getrachtet haben, sind tot.» Nun sind wir nicht mehr über den flügelschnellen Gehorsam unseres Heiligen überrascht: «Da stand er auf und zog mit dem Kind und dessen Mutter in das Land Israel » (Mt 1,21). Es ist aber erstaunlich, dass er noch einmal vom Engel Weisung bekam. Damit sind wir geneigt, anzunehmen, dass er wohl immer schon und immer wieder von einem Engel geführt worden ist. Denn als Josef dann wieder in der Heimat zurück war und «hörte, dass in Judäa Archelaus anstelle seines Vaters Herodes regierte, fürchtete er sich, dorthin zu gehen». Und tatsächlich erhielt er wiederum Hilfe von seinem treuen Begleiter, denn er «zog in das Gebiet von Galiläa» (Mt 2,22), nachdem er wieder von einem Engel (vgl. Ratzinger Benedikt XVI, ebda., 122) «im Traum einen Befehl erhalten» hatte. Und unser ganz gewöhnliches Leben? Der hl. Josef hatte eine wichtige Aufgabe im Erlösungswerk. Darum ist es verständlich, dass Gott ihm einen Engel zur Seite gestellt hat. Können aber auch wir mit der Engelhilfe rechnen, wo doch unser Leben ein ganz gewöhnliches ist, wie das von Millionen anderen Menschen auch? Es stimmt, dass es im Leben des heiligen Josefs vor allem um Jesus ging. Doch das gilt letztlich auch von unserem Leben, denn für Gott ist jeder Mensch unendlich wertvoll: Jeder Mensch hat eine unsterbliche Seele. Mit ihr sind wir zur Seligkeit bei Gott bestimmt. Damit aber jeder von uns dieses Ziel erreicht, sendet Gott seine Engel in unser Leben. Sie, und allen voran unser Schutzengel, sind aufs Höchste interessiert, dass wir in den Himmel kommen und mit ihnen Gott verherrlichen. Wir sollten uns deshalb um eine tiefere Verständigung, um «einen familiären Umgang » (Pius XII., 3. Okt., 1958) mit ihnen bemühen. Ein Mensch, wie ihn die Engel lieben Das Beispiel des hl. Josef gewinnt darum für uns an Bedeutung. Seine tugendhaften Haltungen zeigen ihn als einen Menschen, wie ihn die Engel lieben. • Der hl. Josef war «gerecht», das heißt, er war gottesfürchtig und den Geboten Gottes getreu. • Der hl. Josef war ein schweigsamer, hinhorchender Mensch, selbstlos und allezeit offen, von oben geführt zu werden. • Der hl. Josef glaubte an Gott, betete viel und war stets mit aufmerksamer Sammlung bemüht, seinen Willen zu erkennen und willig zu erfüllen. All das wird offenkundig in seinem dienenden, fraglosen und schnellen Gehorsam gegenüber den Weisungen des Engels. «So erscheint er als der Hörende und Unterscheidungsfähige, als der Gehorsame und zugleich auch als der Entschlossene und mit Sachverstand Handelnde» (Ratzinger-Benedikt XVI., ebda., S. 121). Das Schönste aber dürfte die Gemeinsamkeit von Gott und Engel mit unserem Heiligen sein. In ihr liegt der tiefe Seelenfriede und die große Freude, die innere Freiheit und Gelassenheit sowie die Kraft für jede neue Bitte Gottes. Möge Gott auch in uns die beispielgebenden Wesenszüge dieses großen verborgenen Heiligen finden. Mit Hilfe unseres hl. Engels ist dies möglich.


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