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HL. ENGEL UND HEILIGE 18 P. Titus Kieninger Ein Mensch, wie ihn die Engel lieben Was wäre ohne den Engel aus mir geworden? Gott sagt uns, was wir tun sollen, Heilige bezeugen uns, dass wir das tun können und die Engel helfen uns, es wirklich zu tun. Das lernen wir vom Leben des heiligen Josef. Dieser Heilige gehört zu vielen, die sich ihr Leben ohne Hilfe der Engel nicht erklären konnten. Haben wir schon einmal bedacht, dass fast alles, was uns die Heilige Schrift vom hl. Josef sagt, sich auf seine Zusammenarbeit mit dem «Engel des Herrn» bezieht? Dabei handelt es sich um ganz entscheidende Momente, sodass uns der hl. Josef wohl sagen könnte: Was wäre doch ohne die Hilfe der Engel aus mir geworden? Engelhilfe, die auf sich warten ließ! Josef wird gleich auf der ersten Seite des Neuen Testamentes genannt. Er war verlobt mit Maria, der Mutter Jesu. Verlobung bedeutete damals zwar ein festes Versprechen der beiden, aber noch kein gemeinsames Leben. In dieser Zeit nahm Josef wahr, dass Maria ein Kind erwartete. Er «wusste aber noch nichts über die Herkunft des Kindes» (vgl. Ratzinger-Benedikt XVI, Die Kindheitsgeschichten, S. 48). Er brachte es freilich nicht über sich, sie darauf anzusprechen. Wie könnte er ihr, dieser besten und wirklich heiligen Frau Untreue unterstellen! Wohl niemand kann sich die innere Not des Heiligen vorstellen, die Spannung und Ratlosigkeit. Er war ganz allein mit den täglich immer intensiver werdenden Gedanken. Von nirgendwo schien ihm ein Licht zu kommen. Gott allein weiss, wie sehr der Heilige in dieser Zeit sich selbst verleugnet hat und der Unbegreiflichkeit Gottes entgegengewachsen ist. Die einzig mögliche Lösung schien ihm diese: In scheuer Ehrfurcht vor dem Geheimnis Mariens und zugleich im Gehorsam gegenüber dem Gesetz einfach still zurückzutreten: Er «beschloss, sich in aller Stille von ihr zu trennen» (Mt 1,19), und das hieß, wenn auch unbewusst, sich von dem Erlöser des ganzen Menschengeschlechtes und seiner Mutter zu trennen. Vielleicht sehen wir die wahre Not von uns Menschen nirgendwo so deutlich wie hier: Welch unverzeihlichen Fehler können wir aufgrund unserer armseligen Begrenztheiten sogar mit bester und edelster Absicht begehen! Hier darf man schon gerechterweise annehmen, dass Gott bei solcher unverschuldeter Hilflosigkeit geradezu eingreifen müsste. Und er tat dies auch hier, durch die Entsendung eines seiner himmlischen Diener: Dem hl. Josef erschien tatsächlich «ein Engel des Herrn im Traum ... und sagte: Josef, Sohn Davids, fürchte dich nicht, Maria als deine Frau zu dir zu nehmen; denn das Kind, das sie erwartet, ist vom Heiligen Geist.» Die Reaktion des Heiligen bringt noch mehr ans Licht, wie sehr er gerungen hatte, und nur das Rechte tun wollte. Denn, auf die Erklärung des Engels hin, zögerte er keinen Augenblick, sich Maria zuzuwenden und von da an, für den Rest seines Lebens, seine Aufgabe an ihrer Seite wahrzunehmen: «Als Josef erwachte, tat er, was der Engel des Herrn ihm befohlen hatte, und nahm seine Frau zu sich» (Mt 1,24). Dann, unerwartet wie ein Blitz ... Während hier dem Eingreifen des Engels ein langes schweres inneres Ringen vorausging, blieb bei der nächsten Gelegenheit geradezu gar keine Zeit zur Überlegung. Der Engel erschien dem hl. Josef bald nach der Geburt Jesu und wieder «im Traum» und sagte: «Steh auf, nimm das Kind und seine Mutter, und flieh nach Ägypten; dort bleibe.» Er fügte sogar den Grund hinzu, sodass Josef diese Notwendigkeit sofort einsehen konnte: «Herodes wird das Kind suchen, um es zu töten» (Mt 2,13). Josef hatte schon gelernt, nicht mehr auf sich selbst zu achten. Darum wird von seinem sofortigen und genauesten Gehorsam berichtet (wörtlich): «Da stand Josef auf, nahm das Kind und seine Mutter des Nachts zu sich und zog hin nach Ägypten und blieb dort» (Mt 2,14). Neu ist hier, dass er seine Radikalität auch von anderen verlangen musste, sogar von der zarten Mutter des Göttlichen


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