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Denn Maria hat nicht nur einen Sohn empfangen, sondern dies geschah durch das Wirken des Heiligen Geistes. Der Mensch, dessen Leben in ihrem Schoß seinen Anfang nimmt, nimmt das Fleisch von ihr, seiner Mutter, an, doch sein Sein kommt völlig von Gott her. Er ist Mensch und Gott zugleich. Gott Vater wollte, dass sein Sohn jungfräulich, d.h., ohne das Mitwirken eines Mannes, empfangen werde. Damit sollte sichtbar werden, dass Jesus auch als Mensch der eingeborene, Ewige Sohn des Vaters ist. Die Tatsache, dass Maria ihren Sohn jungfräulich empfängt, ist also von wesentlicher Bedeutung für unseren Glauben an die Gottheit Jesu: Weil Jesus durch die Überschattung des Heiligen Geistes empfangen wurde, «wird auch das Kind heilig und Sohn Gottes genannt werden» (Lk 1,35). So ist die Jungfräulichkeit Mariens ein klares Zeugnis für die Gottessohnschaft Jesu. Die jungfräuliche Vermittlung des Göttlichen Lebens Die jungfräuliche Empfängnis Jesu im Schoße Mariens ist gleichzeitig der Beginn der neuen Menschheit: Durch das Wirken des Heiligen Geistes wird in Maria jener empfangen, der der «Erstgeborene vieler Brüder» (Röm 8,29) ist. Der Mensch gewordene Sohn Gottes leitet durch seine jungfräuliche Empfängnis die neue Geburt ein, in der die Menschen aus dem Wasser und dem Heiligen Geist in der Taufe zu Kindern Gottes werden. Die Teilhabe am Göttlichen Leben kommt «nicht aus dem Blut, nicht aus dem Willen des Fleisches, nicht aus dem Willen des Mannes, sondern aus Gott» (Joh 1,13). Dieses Leben wird jungfräulich empfangen, denn es wird dem Menschen von Gott geschenkt. Auch wenn die Jungfräulichkeit Mariens einzigartig und unwiederholbar ist, so geht ihre geistliche Bedeutung einen jeden von uns an. Wer sich Gott anvertraut, der nimmt sein Göttliches Leben mit gläubigem Herzen im Gebet und in den Sakramenten in sich auf. Die jungfräuliche Geburt Jesu Maria ist stets Jungfrau geblieben, auch bei der Geburt des Mensch gewordenen Gottessohnes. Durch seine Geburt hat ihr Sohn «ihre jungfräuliche Unversehrtheit nicht gemindert, sondern geheiligt». Sie hat ihn «im Glanz unversehrter Jungfräulichkeit geboren », wie die Kirche betet. Das ist angedeutet beim Propheten Jesaja: «Noch ehe die Frau ihre Wehen bekommt, hat sie schon geboren. Ehe die Wehen über sie kamen, brachte sie einen Knaben zur Welt. Wer hat so etwas je gehört? Wer hat je dergleichen gesehen?» (Jes 66,7). Der hl. Ephräm bemerkt dazu: «Wie der Herr eintrat, als die Türen verschlossen waren, genau so verließ er den Schoß Mariens. Wahrhaftig gebar diese Jungfrau ihn ohne Wehen, ihre Jungfräulichkeit ist unversehrt.» Jungfräulichkeit und geistige Mutterschaft Maria war nicht Jungfrau «auf Zeit», sondern Jungfrau in ihrem ganzen Wesen und für immer. So ist sie auch nach der Geburt Jesu Jungfrau geblieben. Als Jungfrau hat sie sich ganz dem Herrn und seinem Werk der Erlösung hingegeben. Ihre Jungfräulichkeit hat Maria nicht gehindert, Mutter zu sein; ganz im Gegenteil, sie wurde dadurch Mutter im erhabensten und tiefsten Sinn: Mutter durch das Wirken des Heiligen Geistes, Mutter des Sohnes Gottes und Mutter der Kirche. Im Laufe der Geschichte haben sich viele junge Menschen angezogen gefühlt von der Schönheit der jungfräulichen Hingabe Mariens und sind großherzig dem Ruf des Herrn zu einem Leben in geweihter Jungfräulichkeit gefolgt. Gerade diese Jungfräulichkeit nach dem Beispiel der Jungfrau von Nazareth, ist Quelle einer besonderen geistigen Fruchtbarkeit, ist Quelle der Mutterschaft im Heiligen Geist. Diese geistige Mutterschaft zeigt sich im Gebet und Opfer für die Rettung der Seelen, im Einsatz für die Heiligung der Priester und für die Berufungen etc.. Sie offenbart sich aber auch als mütterliche Sorge für die Kranken, Behinderten, Waisen, alten Menschen, Kinder und Jugendlichen. Während in der Ehe die Mutter vor allem für ihre eigenen Kinder sorgt, ist die geistige Mutterschaft offen für alle Menschen, die von der Liebe des Erlösers umfangen sind. Beten wir, dass der Herr, auf die Fürbitte der allzeit jungfräulichen Gottesmutter Maria, in den Herzen vieler junger Menschen gerade in diesem «Jahr des Geweihten Lebens» die Sehnsucht nach einem Leben der Ganzhingabe in geweihter Jungfräulichkeit wecken möge! Maria, Jungfrau der Jungfrauen, bitte für uns und erflehe uns viele Berufungen zum gottgeweihten, jungfräulichen Leben. Amen. 17


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