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15 lichkeit, die mir dazu verhelfen, weder in Isolation noch in Zügellosigkeit zu verfallen. Die Freundschaften pflegen, sie sind ein kostbares Gut: Sie müssen euch allerdings dazu erziehen, euch nicht abzuschotten, sondern aus euch herauszugehen. Ein Priester, ein Ordensmann, eine Ordensfrau können niemals eine Insel sein, sondern ein Mensch, der stets bereit ist zur Begegnung. Die Freundschaften reichern sich dann auch um die unterschiedlichen Charismen eurer religiösen Familien an. Das ist ein großer Reichtum. Denken wir nur an die schönen Freundschaften zahlreicher Heiliger. Ich glaube, ich muss ein bisschen kürzen, denn ihr habt sehr viel Geduld! Seminaristen: «Nein!» Zugleich kontemplativ und missionarisch sein, um Jesus zu verkündigen Ich möchte euch sagen: Geht aus euch heraus, um das Evangelium zu verkündigen, aber um das zu tun, müsst ihr aus euch herausgehen, um Jesus zu begegnen. Es gibt zwei Ausgänge: einen, der zur Begegnung mit Jesus führt, hin zur Transzendenz; den anderen hin zur Verkündigung Jesu. Beide gehen Hand in Hand. Wenn du nur einen nimmst, funktioniert es nicht! Ich denke an Mutter Teresa von Kalkutta. Sie war eine gute Schwester … Sie hatte vor gar nichts Angst, ging durch die Straßen … Aber diese Frau hatte auch keine Angst davor, zwei Stunden lang vor dem Herrn zu knien. Habt keine Angst davor, im Gebet und im pastoralen Tun aus euch herauszugehen. Seid mutig fürs Gebet und dafür, hinzugehen, um das Evangelium zu verkündigen. Ich hätte gerne eine missionarischere Kirche, die nicht gar so ruhig ist. Jene schöne Kirche, die vorangeht. Dieser Tage sind viele Missionare und Missionarinnen zur Frühmesse gekommen, hier in «Santa Marta», und als sie mich begrüßt haben, sagten sie zu mir: «Aber ich bin eine alte Schwester; es sind vierzig Jahre, dass ich im Tschad, dass ich hier und da bin …» Wie schön! Aber du hast begriffen, dass diese Ordensfrau diese Jahre auf diese Art verbracht hat, weil sie nie verabsäumt hat, Jesus im Gebet zu begegnen. Aus sich selbst herausgehen, im Gebet zur Transzendenz zu Jesus hin, zur Transzendenz zu den anderen Menschen im Apostolat, in der Arbeit. Leistet einen Beitrag für solch eine Kirche: dem Weg getreu, den Jesus will. Lernt nicht von uns, von uns, die nicht mehr jung sind; lernt von uns nicht jenen Sport, den wir, die Alten, so oft treiben: den Sport der Klage! Schaut uns nicht den Kult der «Göttin Klage» ab. Das ist vielleicht eine Göttin … immer am Lamentieren … Nein, seid positiv, hegt und pflegt das geistliche Leben, und geht gleichzeitig hin, seid dazu imstande, den Menschen zu begegnen, vor allem denen, die am meisten verachtet werden und die am stärksten benachteiligt sind. Habt keine Angst davor, aus euch herauszugehen und gegen den Strom zu schwimmen. Seid kontemplative Menschen und Missionare. Bitte habt stets die Muttergottes bei euch, betet den Rosenkranz … Vernachlässigt ihn nicht! Habt immer die Muttergottes bei euch zu Hause, so wie sie auch der Apostel Johannes bei sich hatte. Sie möge euch stets begleiten und beschützen. Und betet auch für mich, weil auch ich der Gebete bedarf, da ich ein armer Sünder bin, aber wir gehen voran.


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