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liche Schwangerschaft seiner Braut zeigt uns einen weiteren Charakterzug: St. Josef hatte ein sehr feinfühliges und edles Gemüt. Nicht im Geringsten wollte er sich an seiner Braut rächen oder sie bloßstellen. Im Gegenteil, in seiner großen Ratlosigkeit zog er die Lösung vor, die Maria völlige Freiheit gewährte und sie und ihr Kind am wenigsten Unpässlichkeiten oder gar Gefahren aussetzte. Er wollte einem Wirken Gottes kein Hindernis in den Weg stellen. Der Gerechte Das Evangelium nennt Josef «gerecht». Dieser Ausdruck bedeutet in der Hl. Schrift wesentlich mehr als nur die Fähigkeit, zwischen Gut und Böse zu unterscheiden. Ein gerechter Mensch besitzt alle Eigenschaften, die ihn gut machen vor Gott und den Menschen. Wir würden eine solche Person heute als «vollkommen» oder «heilig» bezeichnen. Die Gerechtigkeit ist ein Geschenk Gottes. Er ist allein gerecht aus sich selbst heraus: «Gut und gerecht ist der Herr» (Ps 25,8). Aber er ruft den Menschen, seine Gerechtigkeit nachzuahmen: «Geh deinen Weg vor mir, und sei rechtschaffen!» (Gen 17,1), spricht Gott zu Abraham kurz bevor er ihm die Geburt seines Sohnes Isaak verheißt. Der Mensch ist von Gott gerufen, an seinem Göttlichen Leben teilzuhaben. Die Gegenwart der Göttlichen Gnade kann einen Menschen von innen heraus umwandeln und befähigen, an der Güte und Vollkommenheit Gottes teilzunehmen, soweit es seine eigene Begrenztheit erlaubt. Die grundlegende Öffnung des Geschöpfes für Gottes Wirken geschieht durch den Glauben. Darum erklärt der hl. Paulus: «Abraham wurde der Glaube als Gerechtigkeit angerechnet» (Röm 4,9). Abrahams Glaube war groß, er wurde durch schwere Prüfungen geläutert, und erwarb ihm die Gnade, Gott wohlgefällig zu sein (vgl. Hebr 11,6). Die Gerechtigkeit Josefs besagt, dass er von Gott die Gnade der Heiligkeit und Rechtfertigung erhalten hatte. Das beinhaltet die Vergebung der Sünden. Es bedeutet, dass Gott mit Wohlgefallen auf ihn blickte, dass an ihm bereits der Erlösersieg Jesu wirksam geworden war und deshalb die heilig machende Gnade seine reine Seele erfüllte. Diese Gnadenfülle in der Person des hl. Josef entspricht seiner besonderen Nähe zu Jesus, dem Mensch gewordenen Gottessohn. Nach Maria gab es keinen anderen Menschen, der Jesus so nahe stand. Deshalb gebührt auch dem Pflegevater die größte Gnadenfülle nach der Gottesmutter. Wenn das Wort Gottes nun Josef «gerecht» nennt, ist das die Entsprechung zum Ehrentitel Mariens: «Voll der Gnade» (Lk 1,28). Auch Josef wurde durch ein Gnadengeschenk Gottes auf seine Sendung als Nähvater Jesu vorbereitet und deshalb vollständig geheiligt. Nichts Böses oder Unvollkommenes durfte sich in dem Mann finden, der auf Erden die Stelle des Vaters einnahm für den Gottessohn, und der ihm ein unvergleichliches menschliches Vorbild und ein sehr begabter Lehrer war. 11


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